Hommage à György Kurtág


Im Frühjahr 1998 saß ich mit meinem Freund Bernd Asmus in einem Restaurant, wir kamen auf die Musik György Kurtágs, und ich sagte ihm, daß sie gerade in letzter Zeit für mich sehr wichtig geworden sei. Warum? Weil sie, wie keine andere, für die Erinnerung an die letztlich zerstörte Kultur der Großen Musik und mit dieser des Humanismus stünde, sie eine nicht-konservative Musik mit konservativen Mitteln und eben deswegen paradigmatischer Ausdruck jener untergegangenen Zeit wäre. Wenige Tage später erfuhr ich, daß Kurtág und ich gemeinsam Siemenspreisträger würden. Das und die Begegnung in München - sowohl, als er mit seiner Frau Bach und Eigenes spielte, wie bei der Preisverleihung selber - prägten sich mir ein. Wieder in Rom wurde mir klar, daß ich nach Angelus Novus zwei absolut konträre Werkzyklen schreiben müsse - eben den zu Kurtág in jenem Sinne und einen zu Thomas Pynchon, der in allen musikalischen Dimensionen das Gegenteil bildet. Also eine Hommage à György Kurtág, aufgreifend sein Werk Grabstein für Stephan. Warum gerade dieses Werk? Ich liebe es besonders, und ich wollte Jürgen Ruck, dem Gitarristen der Uraufführung dieses Kurtágstücks, seit längerem ein Gitarrenkonzert schreiben. Der Kurtág-Zyklus besteht aus folgenden Werken. · Das integrale Hauptstück ist die Hommage à György Kurtág (ca. 65 Minuten). · Der Gitarrenpart (8 extrem ruhige Einlagen und 5 extrem heftige Ausbrüche) wird zu einem Gitarrenduo von 12 Minuten Länge ausgearbeitet. (Kurtág-Duo) (Dieses Stück wurde am 12. Juli 2002 in Darmstadt von Elena Casoli und Jürgen Ruck uraufgeführt.) · Aus der Solitude-Nocturne für Piccolooboe (1992/93) werden 4 weitere, kürzere Varianten (etwa 9/10 Minuten Länge) für - A-Klarinette (Kurtág-Cantus I) - Violine (Kurtág-Cantus II) - Piccolo (Kurtág-Cantus III) - Horn (Kurtág-Cantus IV) abgeleitet. Sie finden sich als langgezogene Melodien im Hauptstück der Hommage à György Kurtág. · Die Hommage à György Kurtág hat 13 Blechbläser/Perkussions-Einschübe, die zusammen 3 Minuten dauern. Diese werden mit Material des Cymbalom bzw. zweier großer Trommeln sowie mit drei langgezogenen Blechbläser-Akkord-Passagen zu einem eigenständigen Stück von ca. 13 Minuten Länge ausgearbeitet. (Todesmusik I) · Davon gibt es eine Variante: ein weiterer Schlagzeuger wird ununterbrochen leise auf ein Metall schlagen und somit denjenigen Todesrhythmus anstimmen, den Kurtág in den Grabstein für Stephan selber integrierte. Obwohl diese Änderung geringfügig ist, ist der Charakter vollständig verwandelt. (Todesmusik II) · Schließlich wird daraus der Cymbalom-Part zu einem eigenständigen 7-minütigen Stück extrahiert und ausgearbeitet. (Hommage à Mark André)

Zurück