Illuminations du brouillard


Die Folge von drei Miniaturen für Oboe und Klavier, die ich um die Jahreswende 1992/93 komponierte, folgte einer Anregung des Pianisten Sven Thomas Kiebler, für ihn und seinen Kammermusikpartner Peter Veale ein kleines Stück zu schreiben, das in mehreren Versionen vorliegen solle. Diese Idee paßte insofern in meine kompositorische Gesamtplanung, als ich in dem ambitionierten Klavierstück Rhizom das Klavierpedal fast durchgängig vermied, in dem ebenfalls ambitionierten Oboenstück Gorgoneion, in dem ich die mit Peter Veale über viele Jahre gesammelten Innovationen zumal auf der Ebene der Mehrklänge einsetzte, allerdings die sogenannten Unterblastöne und die Farbgriffmöglichkeiten des Instruments wenig nutzte. So ergab sich fast zwangsläufig die klangliche Vorstellung, die bislang nicht eingesetzten Spielweisen zu verbinden: Die Oboe, die expressive Linien vorträgt, bedient sich durchweg nicht-gewöhnlicher Klangfarben (mezza voce-Effekte, Farbgriffe und Unterblastöne), und das Klavier verwebt die punktualistisch gedachten Töne zu einem Pedal-Verschmelzungsklang nach vorgeschriebenen Mustern. Die Tonhöhenstruktur (mitsamt der Rhythmik) ist bei allen drei Versionen, deren Reihenfolge im Programm zwar von den Spielern festgelegt werden soll, aber immer zwischen die übrigen Werke des Abends plaziert sein müssen, gleich, alle übrigen Parameter (Dynamik, Klanglichkeit, Pedalgebrauch etc.) allerdings stets verschieden. Folge soll dabei sein, daß die harmonische Färbung, neben der "emotionalen Aura" verschiedener Direktheitsgrade, durchweg eine andere sein wird, ähnlich unterschiedlich licht- und farbdurchfluteten Nebelschwaden. Der Titel bezieht sich auf diese anamorphotische Idee und sollte darum nicht mit der lyrischen Poetik des französischen Symbolismus verwechselt werden.
Claus-Steffen Mahnkopf

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